Bereich: C Kontroverse Diskussion

Thema: Das Gender-Konstrukt

Beitrag 2: Realität und Imagination (Bodo Fiebig)

Die Gender-Ideologie (siehe Beitrag 1) mag manchem auf den ersten Blick durchaus überzeugend erscheinen. Allerdings stellen wir beim genaueren Hinsehen fest, dass das Zwillingspaar Konstruktivismus und Gender-Ideologie an einer fatalen ideologieverursachten Fehlsichtigkeit leidet, die ihre Sicht auf die Welt und die menschliche Existenz verzerrt. Ohne die ideologische Brille gesehen, wird es klar erkennbar: Die Wirklichkeit der Dinge ist nicht davon abhängig, dass wir sie uns „konstruieren“, sie existiert auch ohne uns und es gab sie schon, bevor es die ersten Lebewesen gab, die denken und sich etwas „konstruieren“ konnten. Trotzdem hat ja der Konstruktivismus insoweit recht, dass unsere Sicht auf die Dinge nicht die „Dinge an sich“ wahrnimmt (was sollte denn das auch sein, ein „Ding an sich“?), sondern immer nur die Erscheinungsweisen und Bedeutungen, die sie im Auge des Betrachters annehmen. Ob ich einen bestimmten Hund als gefährliche Bestie oder als treuen Freund wahrnehme, liegt nicht nur am Hund, sondern auch an mir und meinen Vorerfahrungen mit Hunden. Aber, dass ich z. B. das Ebola-Virus (oder aktueller: das Corona-Virus) als gefährlichen Krankheitserreger ansehe, liegt nicht an mir, sondern am Ebola-Virus und ich tue gut daran, dies als objektive Tatsache anzuerkennen und mich entsprechend vorsichtig zu verhalten. Die Subjektivität unserer Wahrnehmungen schließt ja nicht aus, dass es objektive Tatsachen gibt! (Siehe auch das Thema „Wahrheit und Wirklichkeit“, dort werden diese Zusammenhänge ausführlicher behandelt)

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1 Wahrnehmung und Deutung

Nein, gewiss kann sich nicht jeder Mensch seine eigene Wirklichkeit „konstruieren“, aber jeder Mensch muss sich eine eigene Vorstellung machen von den Wirklichkeiten, in denen er lebt. Jeder Mensch braucht eine persönliche Verstehensweise und Deutung seiner Umweltwahrnehmungen, sozusagen eine „Arbeitshypothese“ für die Erklärung der Dinge und Vorgänge um ihn her als Grundlage für sein Leben und Handeln in dieser Welt.

Wir müssen also unterscheiden zwischen den Realitäten und den „Bildern“, die wir uns von diesen Realitäten machen. Wobei unsere bildhaften Vorstellungen von den Dingen und Vorgängen unserer Umwelt ja keine unverbundenen Einzelbilder sind, sondern eher Mosaiksteinchen für ein Gesamtbild, für eine ganz eigene und persönliche „Imagination“ der Realität in unserer Vorstellungswelt, die ich hier als „Weltverständnis“ bezeichne. Jeder Mensch braucht und hat so ein „Verständnis“ von der Welt in der er lebt (von den Dingen und Vorgängen, denen er begegnet, von seinen Mitmenschen und deren Beziehungen zu ihm und von sich selbst), er könnte ja nicht leben und sinnvoll handeln ohne es. Uns erginge es (um ein Beispiel zu „konstruieren“) wie einem Ureinwohner im fernsten Amazonas-Gebiet, der bisher in seinem ganzen Leben nur die Realitäten seiner kleinen Urwaldsiedlung und deren Umgebung kannte, und dem man von heute auf morgen ins Zentrum von Rio de Janeiro versetzen würde. Er hätte kein „Weltverständnis“ für diese neue Umwelt und wäre völlig hilflos angesichts von Autoverkehr und Supermärkten usw. Er braucht aber ein persönliches Verständnis seiner neuen Welt. Dieses „Weltverständnis“ (als Übertragung und Aneignung seiner Umwelt- und Selbsterfahrungen in die eigene Vorstellungswelt) ist für jeden Menschen die größte geistige Lebensleistung, die er im Laufe seiner Lebenszeit vollbringt, auch wenn das bei dem Einem vielleicht eine sehr enge und schlichte Vorstellungswelt sein mag, bei einem Anderen vielleicht eine innere Schau von großartiger Weite, Vielfalt und Kreativität.

Dieses „Weltverständnis“ ist allerdings keine statische Größe, sondern bei jedem Menschen ein sehr formbares Gebilde, das in ständigen Veränderungsprozessen allmählich immer weiter auf- und ausgebaut, geformt und gefüllt wird. (Siehe den Themenbeitrag „Wer bin ich?“, Abschnitt 1, „Selbstbild und Weltbild“)

Wenn man nun die subjektive Vorstellungswelt mehrerer Menschen vergleichend betrachten könnte, würde man feststellen, dass sie zumindest in Teilbereichen sehr unterschiedlich sind. Die gleichen Dinge, Vorgänge, Ereignisse können von verschiedenen Menschen sehr verschieden betrachtet, verstanden und bewertet werden. Trotzdem sind Menschen keine isolierten Einzelwesen, die der Vorstellungswelt ihrer Mitmenschen völlig ahnungslos und verständnislos gegenüberstehen. Viele Erfahrungen sind ja für die meisten Menschen sehr ähnlich, z. B. die Erfahrung von Tag und Nacht, Hitze und Kälte, Sommer und Winter, Saat und Ernte, Essen und Trinken, Fülle und Mangel, Jugend und Alter, Mann und Frau, Geburt und Tod … Also: Dass es wehtut, wenn man mit dem Hammer nicht den Nagelkopf tritt, sondern den eigenen Daumen, diese Erfahrung (und tausende andere alltägliche Erfahrungen auch) ist für jeden Menschen gleich. Und diese gemeinsame Erfahrungsgrundlage ermöglicht auch ein in seinen Grundlagen gemeinsames Welt- und Selbstverständnis (unser fiktiver Urwaldbewohner wird sich nach und nach ein Verständnis seiner neuen Umwelt aufbauen, das es ihm ermöglicht, angepasst in seiner neuen Umgebung zu leben und dort sinnvoll zu handeln und er wird beim Aufbau seines erweiterten Weltbildes sehr viel von den Einwohnern Rios, die schon lange dort leben, übernehmen).

Darüber hinaus haben Menschen aber noch ein besonderes Instrument für den Austausch ihrer Erfahrungen und Vorstellungen entwickelt: Die Spra­che. Mit ihrer Hilfe können Menschen ihre Erfahrungen und ihr Verständnis dieser Erfahrungen einander mitteilen. Wenn nun viele Menschen durch sprachliche Kommunikation ihr „Weltverständnis“ (bzw. Teile davon) einander mitteilen, untereinander austauschen und vergleichen, dann entsteht unter ihnen nach und nach ein gemeinsames Welt- und Menschenbild als gemeinsamer und Gemeinsamkeit stiftender Kulturbesitz (wobei ja immer noch große Anteile individueller Anschauungen beim Einzelnen verbleiben). Freilich: Auch das kollektive „Weltverständnis“ einer bestimmten Kultur besteht nicht einfach nur aus objektiven Tatsachen, beruht aber doch auf der Wahrnehmung von Tatsachen. Und diese Wahrnehmungen können durch fortwährende Kommunikation (auch Kommunikation wissenschaftlicher Forschungsergebnisse) zunehmend objektiviert werden, so dass sich unser persönliches und gemeinsames Weltverständnis allmählich der realen Welt annähert. So hat die Menschheit jahrtausendelang gelebt und so sind die Kulturen der Welt entstanden (siehe das Thema „Wahrheit und Wirklichkeit„).

Dazu kommt noch ein zweiter, ebenso wichtiger Aspekt: In Wechselwirkung mit der Entstehung und Weiterentwicklung unseres „Weltverständnisses“ bildet sich auch und unbedingt notwendig ein persönliches „Selbstverständnis„. Wer bin ich? Was unterscheidet mich von anderen Menschen? Was sind meine Besonderheiten, meine Stärken und Schwächen? Und was halten andere von mir? Wie begegnen sie mir? Was äußern sie über mich? usw. Dieses eigene Selbstverständnis ist bei den meisten Menschen labiler und angefochtener als ihr Weltverständnis, denn es speist sich weniger aus objektiven Tatsachen als aus subjektiven Wertungen, Meinungen, Stimmungen …, die uns von unserer sozialen Umgebung entgegengebracht werden. Trotzdem: Wir haben und wir brauchen für unser Leben ein einigermaßen stimmiges Welt- und Selbstverständnis, um in den alltäglichen Situationen unseres Daseins angemessen reagieren und zielgerichtet handeln zu können. Erst das Gesamtbild unserer Wahrnehmungs-Verinnerlichung aus Weltverständnis und Selbstverständnis bildet das Fundament unserer Person.

Dabei spielt die Sprache eine große Rolle. Wir Menschen denken in Sprache, sehr viel weniger in Bildern, Symbolen, Klängen, Berührungen, Gerüchen usw. Unser Weltverständnis und unser Selbstverständnis bestehen zum großen Teil aus sprachlich ausgearbeiteten Verstehensweisen. Alle abstrakten Inhalte unseres Denkens können nur in Form von Sprache dargestellt werden. Das, was wir z. B. mit Begriffen wie „Wahrheit“ oder „Zukunft“ meinen, können wir ohne diese Begriffe auch nicht denken (man möge doch mal versuchen, das, was man unter „Wahrheit“ oder „Zukunft“  versteht, zu denken, ohne in Gedanken diese Begriffe zu verwenden).

Aber wir müssen dabei beachten: Sprache ist nichts Geplantes und Konstruiertes, sondern etwas in Jahrtausenden Gewordenes und Gewachsenes. Und weil Sprache nichts Konstruiertes ist, kann sie auch nicht nach Belieben de-konstruiert und re-konstruiert werden. Das gegenwärtig verwendete und mit Nachdruck eingeforderte Gender-Deutsch markiert den Versuch, eine gewordene Sprache nachträglich nach den Vorgaben eines bestimmten Denksystems (also einer Ideologie) zu re-konstruieren. Das kann nicht gut gehen. Das ist auch noch nie gut gegangen, obwohl es schon viele Versuche gab, mit Hilfe veränderter Sprach-Konstruktionen ein verändertes Denken bei den Menschen zu initiieren. George Orwell hat in seinem berühmten und visionären Roman „1984“ so einen Versuch beschrieben, den Versuch, mit einer veränderten Sprache das Denken der Menschen, also ihr Welt- und Selbstbild und damit auch ihr Reden und Handeln zu verändern („Neusprech“ nannte er das). In der politischen Realität des 20. Jahrhunderts gab es solche Versuche überall da, wo absolutistische Herrschaftssysteme an der Macht waren (die Sowjetunion unter Stalin, China unter Mao, Deutschland unter Hitler …) Auf die deutsche Sprache bezogen, ragt diesbezüglich der Nationalsozialismus (1933-1945) heraus. Der versuchte, mit einer veränderten Sprache auch das Denken und damit die Wahrnehmung der Realität im Volk zu verändern. (Nur 2 Beispiele: Aus dem harten aber deutlichen Begriff „Diktatur“ wurde der viel positiver und freundlicher klingende Begriff „Führerprinzip“, aus „Völkermord“ wurde so etwas Harmloses und Wünschenswertes wie „Endlösung eines Problems“ (des „Judenproblems“) usw., man könnte sehr viele solche Beispiele anführen). Damit will ich ganz gewiss die Gender-Bewegung nicht mit dem Nationalsozialismus vergleichen. Das wäre falsch und verleumderisch. Vergleichbar ist nur die Vorgehensweise beim Gebrauch (bzw. Missbrauch) der Sprache zu politischen Zwecken.

Der Vorgang in einer echten Sprachentwicklung ist genau umgekehrt: Dort wird nicht durch eine manipulierte Sprache das Bewusstsein der Sprachnutzer verändert, sondern ein verändertes Bewusstsein der Sprechenden verändert dann auch den Sprachmodus dahingehend, dass die Sprache das veränderte Bewusstsein zum Ausdruck bringt. Wenn man also wirklich will, dass die Spache geschlechts-gerechter wird, und das ist ja wünschenswert, dann muss man bereit sein, erst einmal die geschlechtlichen Realität des Menschseins wahrzunehmen und zu akzetieren und die beruht eben doch weitgehend auf der gegenseitigen Zuordnung von männlich und weiblich, weiblich und männlich (auch, wenn es dabei Ausnahmen gibt und geben darf) und sie beruht auf der Gleichwertigkeit beider Geschlechter. Da allerdings, wo diese Gleichwertigkeit (nicht Beliebigkeit) der Geschlechter durch Tradition oder Fehlentwicklung in Frage gestellt wird, da muss man mit aller Ernsthaftigkeit daran arbeiten diese zu überwinden. Aber: Zu überwinden sind falsche Traditionen und Entwicklungen, nicht die von der Natur (biblisch gesprochen: von der Schöpfung) vorgebene bipolare Sexualität von Mann und Frau. Die Tatsache, dass in der ganzen belebten Natur, bei Pflanzen und Tieren und selbstverständlich auch bei den Menschen, die Zusammengehörigkeit und Ergänzung von Weiblichem und Männlichem von der Natur vorgegeben ist und im Wesentlichen das Leben nur dadurch weitergegeben und erhalten werden kann, das ist keine von Menschen konstruierte Realität, deshalb kann man sie auch nicht nach Belieben dekonstruieren und durch eine ideologische Phantasie-Realität ersetzen. Das galt schon vor Jahrmillionen, bevor es die ersten Menschen gab. Und dafür wird die Sprache ihre jeweils passenden Ausdrucksformen finden, das brauchen wir nicht zu forcieren. Eine angemessene sprachliche Ausdrucksform wird aber nicht möglich sein im Rahmen einer wirklichkeitsfernen Ideologie, deren Zielrichtung allen menschlichen und zwischenmenschlichen Gegebenheiten widerspricht (siehe den folgenden Abschnitt „Die Gender-Täuschung“).

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2 Die Gender-Täuschung

Sehen wir noch einmal auf die Beziehung zwischen Konstruktivismus und Genderismus: Die Gender-Ideologie nimmt die Selbsttäuschung des radikalen Konstruktivismus als bare Münze und überträgt sie auf den Bereich der sexuellen Identität von Menschen: Was kümmert mich ein angeblich von der Natur vorgegebenes Geschlecht? Ich konstruiere meine Welt und meine Rolle in dieser Welt selbst! Ich bestimme selbst, ob ich Mann oder Frau oder noch irgendetwas ganz anders sein will. Es gibt keine geschlechtliche Zuordnung, die nicht auch ganz anders sein könnte. Und das ist die einzig richtige und moderne Sichtweise! Wer das nicht so sieht, ist ebenso dumm wie gefährlich! Und wenn ihr nicht wollt, dass man euch für dumm und gefährlich hält, dann müsst ihr es gut finden, wenn euren Kindern schon im Kindergarten und in der Grundschule die ganze Liste möglicher sexueller Lebensformen (männlich, weiblich, hetero-, homo-, bi- und trans- …) vorgelegt wird und sie diese Alternativen spielerisch durchprobieren sollen, um sich später mal so oder mal so zu entscheiden.

Hier soll eine krude Ideologie unbesehen zum Lernprogramm für eine ganze Menschen-Generation gemacht werden! Wir tun aber gut daran, dieses Programm eben nicht unbesehen zu akzeptieren.

Dass es bei Tieren und auch bei Menschen vorkommen kann, dass bei der Geburt eines „Kindes“ die Geschlechtsorgane nicht eindeutig ausgebildet sind, ist eine Realität, auch wenn solche Fälle verhältnismäßig selten vorkommen. In solche Fällen muss man mit Behutsamkeit und Zurückhaltung abwarten, bis der junge Mensch selbst in der Lage ist, eine persönlich begründete Entscheidung zu treffen, ob der sich dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zuordnen will oder ob er die geschlechtliche Unentschiedenheit beibehalten will.

Unerträglich und jeder Menschenwürde zuwiderlaufend ist es aber, wenn Gender-Ideologen die ungeklärte und oft belastete Situation dieser Menschen ausnutzen, um (mit der angeblichen Fürsorge für sie) nur ihre eigene Ideologie durchzudrücken, welche sagt, dass es eben überhaupt keine eindeutige und bleibende Geschlechterzuordnung geben kann und die Bipolarität von Mann und Frau selbst schon eine Diskriminierung darstellt.

Wenn es dabei nur um die individuelle Entscheidung von einzelnen Erwachsenen ginge, könnte man das sehr gelassen zur Kenntnis nehmen: Es kann doch jeder für sich und seine Lebensführung entscheiden wie er mag! Aber darum geht es hier ja nicht; man will eine ganze Gesellschaft dazu zwingen, die eigene Ideologie zur allgemeinen Norm zu erheben, und fängt, weil es da am einfachsten scheint, bei den Kindern an.

Das aber darf man so nicht hinnehmen. Ich habe in meinem beruflichen Umfeld menschliche Katastrophen mitansehen müssen, die durch selbstgewählte sexuelle „Freiheiten“ und geschlechtliche „Selbstverwirklichung“ für die betroffenen Familien und besonders für die betroffenen Kinder verursacht wurden. Darüber kann und will ich hier nicht weiter reden oder schreiben.

Es kann und muss hier aber darüber geredet und geschrieben werden, welche gesellschaftlichen Auswirkungen die Gender-Ideologie in unserer Gegenwart hat. Ihre Vertreter haben es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, ihre Ansichten bis in die Mitte der Gesellschaft voranzutreiben. (Die relativ wenigen Menschen, die tatsächlich mit uneindeutigen sexuellen Anlagen geboren werden und leben, sind den Ideologen völlig egal, sie werden ja nur als „Hebel“ oder „Brechstange“ gebraucht, um die Gesellschaft als Ganzes unter ihre Ideologie zu zwingen.) Ihre Hauptwaffe im Kampf um öffentliche Anerkennung ist der Begriff der „Diskriminierung“. Wer nicht ihre Ansichten teilt und übernimmt, macht sich der Diskriminierung schuldig, und Diskriminierung ist ein Verbrechen! Und dann weist man auf die Homosexuellen hin, die in den Konzentrationslagern der Nazis gelitten haben und ermordet wurden.

Ganz gewiss: Das, was im Hitler-Deutschland homosexuellen Menschen angetan wurde, waren unmenschliche Verbrechen, ganz genau so, wie es unmenschliche Verbrechen waren, was man damals Juden, „Zigeunern“, politisch Andersdenkenden usw. antat. Aber das frühere Unrecht bedeutet doch nicht, das heute jede(!) noch so unsinnige Ideologie im Bereich sexueller Orientierung unter dem Schutzmantel eines Diskriminierungs-Verbotes steht, das nicht den geringsten Einwand dagegen erlaubt!

Und: Dass es in der Vergangenheit (und in bestimmten Teilbereichen und Weltgegenden noch heute) Unrecht gegenüber Frauen gab und gibt, bedeutet doch nicht, dass jede(!) Ideologie, die vorgibt, für die Rechte der Frauen zu streiten, unbesehen zum geltenden Recht gemacht werden muss, für jeden verpflichtend und auf ewig unantastbar! Das ist der Missbrauch eines Schutz-Rechtes als Mittel zur Verabsolutierung der eigenen Ansichten durch Kriminalisierung jeder anderslautenden Meinung.

Wir müssen unterscheiden: Es gibt Realitäten, die sind völlig unabhängig vom Tun oder Lassen von Menschen. Dass die Sonne scheint und uns mit Licht und Wärme überhaupt erst das Leben ermöglicht, das zu bewirken oder zu verhindern liegt nicht in unserer Macht und nicht in unserer Verantwortung, das können wir weder konstruieren noch dekonstruieren.

Dass aber in der gesellschaftlichen Realität von Völkern und Gruppen einige einen „Platz an der Sonne“ einnehmen und sich im Glanz ihres Reichtums sonnen, während andere im Schatten der Benachteiligung leben und im Dunkel der Armut leiden, das ist eine menschengemachte Realität, die veränderungsbedürftig und veränderungsfähig ist. Das beides müssen wir unterscheiden!

Dass in männerdominierten Kulturen Frauen oft benachteiligt werden (oder in materiarchalen Kulturen, die es in der Geschichte der Menschheit – selten, aber doch – auch gegeben hat, die Männer), das ist nicht von der Natur vorgegeben, und das kann und soll in modernen Gesellschaftsformen korrigiert werden.

Es ist richtig, richtig und notwendig, sich auf allen Feldern gesellschaftlichen Lebens ernsthaft und mit Nachdruck darum zu bemühen, gleiche Möglichkeiten und Chancen für alle Menschen, unabhängig von ihrem Geschlecht zu schaffen, aber es ist falsch, dieses im Namen und mit den Mitteln einer Ideologie zu tun, die bestreitet, dass es so etwas wie ein vorgegebenes biologisches Geschlecht überhaupt gibt! Und es ist erst recht falsch, zuzulassen, dass die Ideologen dazu Kinder als Vortrupp für die Eroberung gesellschaftlicher Positionen einspannen und dazu ihre kindlichen Vorstellungswelt mit allen Formen und Fehlformen erwachsener Sexualität belasten! Hier wird nicht versucht, für Minderheiten Gleich-Berechtigung zu erreichen, sondern man will eine Vor-Berechtigung für eine bestimmte Weltanschauung, der sich jede Mehrheit beugen muss, und als Zielmarke eine Allein-Berechtigung für eine bestimmte Ideologie (und das war auch die Strategie aller Ideologien, die im 20. Jahrhundert diese Erde verwüstet haben – siehe das Thema „Die Revolution und ihre Kinder“ im Bereich „Kontroverse Diskussion“).

Gegenwärtig versuchen die Gender-Strategen ohne jede Rücksicht auf die Meinungsfreiheit anderer ihre eigene Ideologie als die allein gültige und in einer modernen Gesellschaft allein akzeptable Sichtweise durchzudrücken. Die öffentlichen Bildungseinrichtungen von der Kinderkrippe bis zur Uni­versität sollen dabei als Hebel dienen, mit dem man die gesellschaftlichen Verhältnisse umstürzen kann. Aber: Wenn man das bewusste Mann-sein und Frau-sein für sich schon als „Diskriminierung“ derer ausgibt, deren Geschlecht nicht eindeutig bestimmt ist, dann will man nicht den intersexuellen Menschen helfen, sondern man will so etwas wie „Normalität“ grundsätzlich abschaffen. Das ist etwa so, wie wenn man sagen würde „Menschen, die wegen einer Querschnittslähmung im Rollstuhl sitzen, dürfen nicht diskriminiert werden (das ist richtig) und deshalb müssen (um gleiche Lebenschancen für alle herzustellen) ab jetzt alle Menschen sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen (das wäre falsch) und weil viele das nicht freiwillig machen würden, müssen sie per Gesetz dazu erzwungen werden“ (das wäre die Diktatur der Ideologie und das ist es, was die Gender Ideologen anstreben). Ganz gewiss, Menschen im Rollstuhl sind – ebenso wie homosexuell empfindende oder intersexuell veranlagte Menschen – keine minderwertigen „Defizit-Menschen“. Vor solchen Diskriminierungen muss man sie wirklich schützen. Sie sind gleichwertige und gleichberechtigte Menschen ohne irgendwelche Abstriche an ihrem Menschsein und sie müssen auch so behandelt werden. Wenn man aber daraus schließt, dass jedes sexuelle „Normal-Sein“ schon eine Diskrmininierung darstellt, dann will man niemanden schützen, sondern alle attackieren. Dann will man verunsichern und die Gesellschaft destabilisieren und sich so ein freies Feld schaffen, wo nur noch die eigene Ideologie das „Normale“ und Erlaubte ist. Dagegen sich zur Wehr zu setzen, ist gewiss keine unzulässige „Diskriminierung“, sondern selbstverständliches Recht in einer demokratischen Gesellschaft. Das „Gender-Konstrukt“ ist keine brauchbare Vorlage für einen menschenwürdigen Umgang mit menschlicher Sexualität.

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Bodo Fiebig Realität und Imagination Version 2018 – 10

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