Bereich: mitreden

Thema: A Grundlagen der Gesellschaft

Beitrag 5: Globalisierung der Wirtschaft (Bodo Fiebig)

(Dies ist ein Kurzbeitrag ohne eigene Kommentarseite. Für angemeldete Leser ist aber am Ende des Textes eine Möglichkeit vorgesehen, kritische Stellungnahmen oder eigene Gedanken zum Thema anzufügen.)

Die Handlungsmöglichkeiten der wirtschaftlich Tätigen gehen heute über alle Ländergrenzen hinweg. Man kauft und verkauft Rohstoffe, landwirtschaftliche Erzeugnisse, industriell gefertigte Teile und Fertigprodukte rund um den Globus, als sei das schon immer so gewesen. Ist es aber nicht: Es war die Kolonisierung der Länder Afrikas, Südasiens, Nord- und Südamerikas, Australiens und der pazifischen Inseln durch die europäischen Mächte im 16. bis 20. Jahrhundert, die einen starken Impuls zur Globalisierung brachte und dieser Impuls war überall spürbar: Selbst in entferntesten Erdteilen wurden nun europäische Sprachen als „Amtssprachen“ eingeführt (so wurde z. B. die Sprache eines relativ kleinen europäischen Insel-Staates, das Englische, zur „Weltsprache”), wurden europäische Gesetze zum geltenden internationalen Recht und europäische Wirtschaftsinteressen zum Maßstab der Welt-Politik. Ausbeutung, Verarmung und Versklavung großer Teile der Weltbevölkerung waren die Folgen (dass es auch positive Entwicklungen in den kolonialisierten Gebieten gab, ändert an dieser Grundtatsache wenig). Auch in den Ländern der europäischen Kolonialmächte selbst waren die Auswirkungen deutlich: Die Wirtschaft blühte auf, der Reichtum nahm zu. Selbst im kleinsten Landstädtchen konnte man nun „Kolonialwaren“ aus fernen Erdteilen kaufen, Waren die man vorher nie gekannt hatte. Nicht friedlicher Handel, sondern gewaltsame Eroberung und Ausbeutung gaben die entscheidenden Anstöße zu der Entwicklung, die wir heute „Globalisierung“ nennen. Durch sie entstanden erstmals Weltmärkte, entstanden eine Weltwirtschaft und weltweit aktive Finanzsysteme.

Das Bemerkenswerte dabei ist: Auch heute, wo alle Kolonien längst politisch (zumindest theoretisch) selbständig geworden sind und die europäischen Mächte längst ihre Vormachtstellungen verloren haben, folgt die Art der wirtschaftlichen Globalisierung immer noch dem alten kolonialen Muster. Nur sind es jetzt nicht mehr nationale Mächte, sondern die Macht internationaler Konzerne und Finanzinstitute, die das Geschehen bestimmen (und die dabei oft von nationalstaatlichen Institutionen unterstützt werden). Immer noch gibt es die „Billiglohnländer“, wo Millionen Menschen zu Hungerlöhnen und unter katastrophalen sozialen Bedingungen die Massenware für den Weltmarkt produzieren. Immer noch gibt es die armen „Rohstoffländer“, deren Reichtümer von Unternehmern aus fernen Kontinenten ausgebeutet und gewinnbringend weiterverarbeitet werden. Für die Betroffenen macht es kaum einen Unterschied, dass die „Kolonialherren“ jetzt nicht mehr europäische Könige, Generäle und Kolonialgouverneure sind, sondern internationale Konzernchefs, Manager und Investoren (die zum Teil selbst aus ehemals kolonialisierten Ländern kommen).

Damit wir da nichts falsch verstehen: Nicht Weltwirtschaft und Welthandel sind das Problem. Im Gegenteil: Ohne sie wäre die Weltbevölkerung mit mehr als sieben Milliarden Menschen gar nicht mehr zu versorgen. Vieles läuft da auch durchaus verantwortlich und fair ab. Es gibt aber Fehlentwicklungen und Auswüchse mit furchtbaren Folgen. Nur ein Beispiel: In Zeiten wo die Zinsen für Geldanlagen weltweit niedrig sind, sind Spekulationen der einzige Weg, in kürzester Zeit und ohne eigene Arbeit viel Geld zu verdienen. Der neueste Trend ist die Spekulation mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen (Weizen, Mais, Reis, Soja …) die gleichzeitig Grundlage der Ernährung der Weltbevölkerung sind. Die Preisschwankungen und künstlichen Mangelsituationen, die durch solche Spekulationen verursacht werden, können Millionen von Menschen ins Elend treiben, schlimmstenfalls dem Hungertod preisgeben. Die Spekulanten stört das wenig.

So haben viele (in den Industrieländern ebenso wie in den Entwicklungsländern) das Empfinden: Nur die wenigen weltweit Handelnden (und vor allem die Rücksichtslosesten unter ihnen) profitieren von der Globalisierung der Märkte, alle anderen sind unwissende und hilflose Figuren im Welt-Manager-Schach, die am Ende die Zeche bezahlen. Sie spüren die weltweiten Folgen, sehen aber keinerlei Möglichkeiten die Vorgänge zu durchschauen oder gar (etwa durch Wahlen) auf sie Einfluss zu nehmen.

Das ist schlimm, denn eine gut organisierte und verantwortlich geführte Weltwirtschaft, in der die Freiheit des Wirtschaftens und Handelns garantiert ist, die aber die Auswüchse hemmungsloser Gier und verantwortungsloser Ausbeutung rigoros zurückschneidet, wäre eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass die großen Geißeln der Menschheit (Mangel an Ernährung, sauberem Trinkwasser, Bildung, medizinischer Versorgung, ausreichend bezahlter Arbeit, sozialer Sicherung bei Krankheit, Behinderung und Alter …) allmählich ihren Schrecken verlieren. Die wirtschaftliche Globalisierung kann erst dann eine menschenwürdige Entwicklung nehmen, wenn sie sich von ihren kolonialen Wurzeln und ihren ausbeuterischen Grundeinstellungen löst.

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