Bereich: A Wege biblischen Glaubens

Thema: Adam, wer bist du?

Beitrag 1: Diskussionsforum ,,Adam, wer bist du?“ (Bodo Fiebig)


Comments

  • Ich habe die Ausführungen zu Gen. 1,27 mit grossem Interesse gelesen. Ich verstehe nur nicht ganz, weshalb praktisch alle Übersetzungen inkl. LXX wiedergeben, dass JHWH den Menschen aus Erde machte? Ich kann dem Auserwählungsgedanken eines intelligenten Säugetiers viel abgewinnen, weil JHWH immer mit Erwählung heilsgeschgichtlich gehandelt hat. Gibt es dazu bspw. ältere jüdische Auslegungstraditionen (vor Darwin), welche belegen, dass Gott einen Menschen von den Säugetieren erwählte und diesem seinen Odem einhauchte?
    mfg
    bifidus

    1. Gen 1,27: Und Gott schuf den Menschen in seinem Bild, im Bilde Gottes schuf er ihn, männlich und weiblich erschuf er sie.
      Das Wort zäläm (für „Bild“) bedeutet eigentlich geschnitztes Götterbildnis. Es repräsentiert in einem Tempel oder auch bei einem Hausaltar den Gott, den man anbetet. Der Gott der Bibel (JHWH) verbietet aber den Menschen, von ihm so einen geschnitzten, toten „Stellvertreter“ herzustellen und anzubeten (1. Gebot, Ex 20, 4) und zwar deshalb, weil er sich den Menschen als seinen lebenden „Repräsentanten“ erwählt hat. Aber nicht einen einzelnen Menschen, sondern eine menschliche Gemeinschaft, genauer: ein Liebespaar aus Mann und Frau (siehe oben „männlich und weiblich erschuf er ihn“). Das Menschsein als Liebesgemeinschaft (und das gilt ganz allgemein, nicht nur für die erotische Liebe in der Paarbeziehung von Mann und Frau) soll Abbild und Repräsentation seiner göttlichen Identität sein (2. Joh 4,16: „Gott ist Liebe“).
      Wie diese Erwählung geschah, beschreibt die Bibel in Gen 2, 7: Da machte Gott der HERR den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. (1. Mose 2,7 Lutherübersetzung). In vielen Übersetzungen steht das Wort „aus“ in Klammern. In den entsprechenden Anmerkungen kann man dann nachlesen, dass dieses eingeklammerte Wort „zur besseren Verständlichkeit“ eingefügt wurde. Wörtlich steht da: Und JaHWeH, Gott, bildete den Adam, Staub vom Erdboden, und hauchte in seine Nase Odem des Lebens.
      Ich übersetze: Und JaHWeH, Gott, bildete den Adam – Staub vom Erdboden war er – und hauchte in seine Nase Odem des Lebens. (Die weiteren Ausführungen dazu müsste man im Text „Adam – wer bist du?“ nachlesen)
      Beide Übersetzungen sind meiner Ansicht nach legitim. Aber welche ist die wahrscheinlich angemessene? Wenn wir bereit sind, uns von vorgefertigten Bildern zu lösen und nur die Bibel selbst entscheiden zu lassen, dann ist die Sache eindeutig: Dass Gott sich durch Anhauchen eines Lehmkloßes ein Lebewesen erweckt, das kommt sonst in der Bibel nie vor. Dass er sich einzelne Menschen erwählt und durch Mitteilung seines Geistes zu einer besonderen Berufung führt, das ist durchgängiges Handeln Gottes in seiner ganzen Heilsgeschichte.
      Den Menschen als biologische Gattung (Homo sapiens) gab es ja schon längst. Jetzt aber sollte er „Bild“ Gottes werden, also eine sichtbare und erfahrbare „Vergegenwärtigung“ des Schöpfers in der geschaffenen Welt.
      Zu Ihrer letzten Frage: Nein, ich kenne aus der jüdischen Tradition keine Beispiele, wo die „Bildung“ des Adam als Erwählung gedeutet wird, aber das kann auch daran liegen, dass ich diese Traditionen zu wenig kenne.

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