Bereich: mitdenken

Thema: Zwischen Schöpfung und Vollendung

Beitrag 5: Die Vollendung der Schöpfung (Bodo Fiebig)

Die Geschichte Gottes mit den Menschen hat ein Ziel: Die Vollendung der Schöpfung. Die geschieht so, dass „wie im Himmel, so auf Erden“ das „Reich Gottes“ kommt, dadurch, dass der „Name Gottes geheiligt wird und sein Wille geschieht“. Der Name, das Reich und der Wille Gottes aber sind Ausdruck seiner Liebe. Überall da, wo diese göttliche Liebe sich im Menschsein auswirkt und realisiert, da ist die Schöpfung vollendet, weil da die Urberufung des Menschseins, nämlich Ebenbild der Liebe Gottes zu sein (1. Mose 1, 27), zur Erfüllung kommt. Im messianischen Friedensreich unter der Leitung des „guten Hirten“ soll das Reich Gottes in dieser irdisch-materiellen Schöpfung zur alle und alles umfassenden Wirklichkeit werden.

Das soll in zwei Phasen geschehen: Im Gericht und in der Ausgestaltung des messianischen Reiches.

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Bild 21: Das Gericht

Wenn die Ausreifung und Sammlung des Guten und des Bösen geschehen ist, wird Jesus wiederkommen als der Messias, als der Mächtige und Liebende, der im Auftrag Gottes die Königsherrschaft Gottes auf der Erde vollendet. Dazu gehört auch ein Vorgang und Übergang, der als „Gericht“ bezeichnet wird. Dabei müssen wir uns aber bewusst machen: In der Bibel Alten und Neuen Testaments zielt das Gericht Gottes nicht in erster Linie auf Verurteilung und Bestrafung, sondern auf Zurechtbringung und auf Wiederherstellung der Gerechtigkeit als Lebensvollzug der Liebe (Mt 25, 31-45, dort redet Jesus von diesem Gericht):

Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden. Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zur Linken. Da wird dann der König sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und ihr seid zu mir gekommen. Dann werden ihm die Gerechten antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und haben dir zu essen gegeben, oder durstig und haben dir zu trinken gegeben? Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen, oder nackt und haben dich gekleidet? Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.

Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln! Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht. Dann werden sie ihm auch antworten und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient? Dann wird er ihnen antworten und sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch nicht getan. Und sie werden hingehen: diese zur ewigen Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

Es ist eindeutig und unmissverständlich: Das Urteil im Gericht Jesu entscheidet sich allein an der warmherzig und barmherzig tätigen Liebe im Miteinander der Menschen, also an der Erfüllung der Urberufung des Menschseins als „Ebenbild“, als anschaubare und erfahrbare Vergegenwärtigung seiner Liebe mitten in einer kalten und lieblosen Welt. Und wir erkennen mit Erschrecken, wie wenig unser alltägliches Leben und Handeln diesem Anspruch entspricht.

Und doch können wir diesen Gerichts-Prozess durchlaufen als die Geretteten und Freigesprochenen, denn der Richter über unser Leben ist derselbe, den Gott zum Fürsprecher und Retter für uns eingesetzt hat. Jesus, der Messias und Friedefürst des Gottesreiches hat sein eigenes Leben dafür eingesetzt, dass unser Leben nicht unerfüllt bleibt von jener Liebe, die unserem Dasein „Ewigkeitswert“ verleiht.* In der Gegenwart der Liebe Gottes und im Vertrauen auf sein voraussetzungsloses Erbarmen können wir freigesprochen werden von der Schuldenlast der Lieblosigkeit, die unser Leben von ihm und von allen unseren Menschheitsbrüdern und -schwestern trennt (siehe das Thema „Schuld und Vergebung“).

*Siehe das Thema „Zeit und Ewigkeit“, Beitrag 5: „Ewiges Leben“.

Wenn wir als „Gemeinschaft der Heiligen“ (als die von der Heiligkeit der Liebe Gottes Berührten und durch sie Verbundenen) so leben, dass in unserem Miteinander etwas – und sei es noch so gering und fragwürdig – etwas von dem Bild der Liebe Gottes im Menschsein sichtbar, etwas von der Güte seines Wesens im Miteinander von Menschen erfahrbar wird, so entsteht da ein Gegengewicht zum Gewicht der Sünde, eine Gegenmacht zur Macht des Todes. Die Gemeinschaft der Jünger und Jüngerinnen Jesu in der Gegenwart seiner vergebenden Liebe und unter der Leitung seiner göttlichen Vollmacht ist der Ort, wo die Liebe Gottes die Voraussetzungen schaffen und das Tor öffnen kann für den Durchgang durch das Gericht bis in die Herrlichkeit seiner Gegenwart.

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Bild 22: Das messianische Reich

Das „Reich Gottes“ steht im Mittelpunkt der Verkündigung Jesu. Davon handeln fast alle seine Lehrvorträge, Predigten, Gleichnisse … Dabei redet Jesus in dreierlei Weise von diesem Reich:

  1. a) Als Reich Gottes im Himmel, das schon vollendet da ist. Es ist jene Wirklichkeit, wo Gott unverhüllt und uneingeschränkt regiert, wo immer schon sein Name geheiligt wird und sein Wille geschieht.
  2. b) Als Reich Gottes im Anbruch, das jetzt auch auf der Erde im Werden ist, und das nun, mit Jesu Kommen, im alltäglichen irdischen Dasein Gestalt annimmt und Raum gewinnt. Es ist in der Jüngergemeinschaft schon gegenwärtig (Lk 17, 21) und soll sich von da aus in alle Regionen und Völker der Erde ausbreiten und dort seine Wirkung entfalten.
  3. c) Als vollendetes Reich Gottes auf der Erde, das umfassend und weltweit alle Menschen und die ganze Schöpfung verändern und erneuern wird. Dieses vollendete Gottesreich wird geprägt durch die Herrschaft des von Gott erwählten und gesalbten messianischen Königs. Es wird die gegenwärtige Verfassung der Menschheitsfamilie ablösen und erlösen und die uneingeschränkte Gottesherrschaft und Gottesliebe auch auf Erden verwirklichen.

Das Leben im messianischen Reich wird nach den Entbehrungen und Schrecken dieser gegenwärtigen Zeit sein wie ein Fest (Mt 22, 2): Das Himmelreich gleicht einem König, der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete. In diesem Reich wird Gott selbst durch seinen Gesalbten als Herrscher und Richter regieren; und zwar so: Als Herrscher (Mt 6, 31+32, Mt 7, 7+8,): Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden? Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft. (…) Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan. So herrscht Gott.

Und als Richter (Psalm 103, 8-13): Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte. Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben. Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat. Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten. So richtet Gott

Die Menschwerdung des Menschen als „Bild Gottes“ verläuft aufs Ganze gesehen in zwei Phasen: Zuerst als Sammlung von in äußerster Mühsal errungener Gedanken, Worte und Taten der Liebe, hier auf dieser Erde, inmitten einer auf Selbsterhaltung im „Kampf ums Dasein“ ausgerichteten Natur und einer auf Selbsterhöhung im „Kampf um die besten Plätze“ ausgerichteten Menschheit. Danach aber, im Friedensreich des Messias, soll die „Menschwerdung des Menschen“ in einer von Bosheit und Leid erlösten Welt unter der Herrschaft Gottes und seines Christus vervollkommnet und vervollständigt werden. Aber auch da wird die Liebe nicht selbstverständlich sein, sondern immer neu ein Akt der Hingabe, durch die man Gott liebt „von ganzem Herzen“ und den Nächsten „wie sich selbst“.

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Bodo Fiebig „Vollendung der Schöpfung“ Version 2020-7

© 2012 herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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