Bereich: Grundfragen des Glaubens

Thema: – Weltreligionen u. biblischer Glaube

Beitrag 4: Selbstoffenbarung Gottes (Bodo Fiebig)

Die im vorangehenden Beitrag angesprochenen „Gotteserfahrungen“ sind noch weitgehend den eigenen Interpretationsweisen der Menschen überlassen und wir sehen an den Religionen der Welt wie vielfältig und verschieden solche Interpretationen ausfallen können. Diese Situation könnte sich nur dadurch ändern, das jene Macht, von dem solche „Gotteserfahrungen“ ausgehen, nun selbst sich zu erkennen gibt. Solche „Selbstoffenbarung“ des Göttlichen könnte dann menschliche Verstehensweisen korrigieren und weiterführen. In der Bibel kann man solche korrigierende und weiterführende Selbst-Offenbarungen Gottes erkennen. In dreierlei Weise: In der Geschichte Gottes mit Israel, im selbstoffenbarenden Wort Gottes und im „Sohn“ Gottes.

1 Selbstoffenbarung Gottes in begleiteter und gedeuteter Geschichte eines erwählten Volkes

Wir können davon ausgehen, dass Gott ganz bewusst unter allen religiösen Milieus, die es vor ca. 4000 Jahren gab, dasjenige auswählte, das einerseits eine hohe Bereitschaft zu spiritueller Offenheit auszeichnete, und das andererseits am wenigsten „vorbelastet“ war von verfestigten religiösen Inhalten und Traditionen, um dort einen ersten Impuls seines Vorhabens einzubringen, durch das er einen Jahrtausende langen Heilsweg beginnen und zielführend begleiten wollte.

Die großen Kulturen der Weltgeschichte (z. B. die mesobotamische, die ägyptische, die indische, die chinesische, die griechisch-römische, die mittel- und südamerikanische …) haben alle auch große Religionen mit großer Strahlkraft und Außenwirkung hervorgebracht. Wie sehr jedoch diese Religionen Ausdruck der jeweiligen Kultur waren, zeigt schon die Tatsache, dass der Untergang der betreffenden Kulturen auch deren Religion mit in die Bedeutungslosigkeit fallen ließ (z.B. die mesobotamische, die ägyptische, die griechisch-römische, die mittel- und südamerikanische … Wer, außer ein paar Spezialisten, weiß denn noch etwas von der Religion der Sumerer oder der Inka?). Nur da, wo die grundlegenden Kulturen erhalten blieben, z. B. in Indien, China und Japan (wenn auch mit großen Veränderungen), da blieben auch die dort entstandenen Religionen lebendig und wirkungsvoll (z. B. Hinduismus, Buddhismus, Daoismus, Schintoismus).

Der alttestamentlich biblische Glaube bildet da eine große Ausnahme. Er entstand nicht als spirituelle Spitzen-Leistung einer großen Kultur, sondern im Lebensraum einer kulturell und machtpolitisch völlig bedeutungslosen Gemeinschaft in Form eines Familien- und Stammesklans wandernder Hirten. Ähnliches gilt auch für das neutestamentliche Christentum, das auf dem Fundament der alttestamentlichen Gotteserfahrung entstand: Es entwickelte sich zunächst als Fremdkörper, als Gemeinschaft der „Herausgerufenen“ und „Ausgesonderten“ (1.Kor 1,2) und „Fremdlinge“ (1. Petr 1,1) im Römischen Reich und in den nordafrikanischen, arabischen und persischen Völkern. Die biblischen Religionen existierten und wuchsen lange Zeit als „Glaubensinseln“ im „Meer“ fremder Kulturen und Religionen. So konnten das Judentum und das Christentum über Jahrtausende weiter leben und wirksam bleiben, obwohl die ehemals tragenden Staatswesen und Kulturen längst untergegangen waren.

In den biblischen Erzählungen von Abraham und seiner Familie und später in der Geschichte des Volkes Israel finden wir immer beides: Die religiöse Kultur aus dem zeitgeschichtlichen Hintergrund ihrer Geschichte und Umwelt, und darin hineinverwoben, aber doch erkennbar die Offenbarung Gottes und seiner Heilsgeschichte. Der kulturhistorische Hintergrund hat sich immer wieder verändert und doch konnte er die Rahmenbedingungen bereitstellen für die fortschreitende Offenbarung einer einzigartigen Beziehung zwischen Gott und Mensch. Diese historische Rahmenhandlung, innerhalb derer sich das Drama der biblischen Gottesoffenbarung vollzog, soll hier kurz angedeutet werden.

  1. a) Kulturelles Umfeld eines nomadisch lebenden Familienklans

Die Geschichte der Offenbarung Gottes begann als Familiengeschichte mit allem, was Familiengeschichten interessant und manchmal auch abstoßend macht: Hass und Liebe, Betrug und Vertrauen, Flucht und Heimkehr, Verrat und Treue, Streit und Versöhnung… Dies alles im soziologischen Rahmen eines Clans nomadisch lebender Kleinvieh-Hirten, mit den harten Gesetzen einer Lebensgemeinschaft am Rande der Wüste und am Rande des Existenzminimums. Menschlich-allzumenschlich ging es zu, ohne hohe Philosophie, ohne beeindruckende Kulthandlungen, ohne mächtige Staatsorgane, ohne großartige Kunstwerke in Bildern und Bauten … und da hineinverwoben, vorsichtig, behutsam, fast unmerklich, oft erst in der Rückschau erkennbar: der rote Faden der Heilsgeschichte, der sich von da an durch die Geschichte Israels zog, und später auch durch die Geschichte der Völker.

Ja, gewiss, es gab Tausende solcher nomadisch lebender Familienklans mit ihrer je eigenen und besonderen Geschichte, aber nur in diesem einen offenbarte sich das Handeln einer Macht, die schon im kleinsten Anfang die größte Auswirkung mitbedacht und in Gang gesetzt hatte: „In dir sollen gesegnet werden alle Völker auf Erden“.

  1. b) Kulturelles Umfeld eines versklavten, aber wachsenden Familienklans im Umfeld einer Hochkultur

Vom kulturellen Hintergrund der Israeliten während der Jahrhunderte der Sklaverei in Ägypten weiß man fast nichts. Selbstverständlich war das Umfeld der großartigen ägyptischen Kultur und Religion allgegenwärtig, bedrückend und faszinierend zugleich. Aber trotzdem hatten sich offensichtlich die Nachkommen der Abrahamsfamilie das Andenken an „den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ (2. Mose 3,6) bewahrt und trotzdem blieben der Segen und die Verheißung gültig und wirksam. Die „Kinder Israels“ waren versklavt, ja, aber gerade dadurch ungebunden von Besitz, Machtpositionen, Kultstätten …, so konnten sie mit (materiell und spirituell) leichtem Gepäck in die Freiheit fliehen.

  1. c) Kulturelles Umfeld eines befreiten, aber heimatlosen Stammesverbands

Grundlage des neuen Selbstverständnisses als Volk Gottes waren Gottesbegegnungen und Gotteserfahrungen in der Wüste: Totales Angewiesensein, Zweifel und Verzweiflung, aber in all dem immer wieder die Erfahrung der Hilfe und Rettung trotz eigenen Versagens. Es war die offene Zeit zwischen der zwangsweisen Gebundenheit in der Sklaverei und der freiwilligen Bindung in der Freiheit des eigenen Landes, in die hinein Gott sich selbst offenbarte. Ein Volk auf der Wanderschaft, keine archäologisch und historisch verwertbaren Spuren hinterlassend außer dieser einen: Dem Wort der Weisung und der Verheißung; diese Spur aber bleibt lesbar und bedeutungsvoll durch die Jahrtausende bis heute.

  1. d) Kulturelles Umfeld eines sesshaft werdenden Stammesverbands

Die Sesshaftwerdung der nomadischen Stämme im „verheißenen Land“ war Chance und Risiko zugleich. Risiko, weil das gesammelte Volk im eigenen Land dazu neigen könnte, ihre spirituelle Offenheit zu verlieren und unter dicken Schichten religiöser Kultur und Tradition zu ersticken. Chance, weil ein ganzes Volk als Trägerschaft der Offenbarung ein wesentlich tragfähigeres Fundament bilden könnte als nur einige Familienklans wandernder Hirten. Während dieser Zeit hatte das Volk Israel keine verfasste Staatsform mit einer zentralen Regierungsmacht (etwa einem König), sondern wurde je nach Bedarf von „Richtern“ geleitet, die keinen dynastischen Anspruch vertraten, sondern jeweils von Boten Gottes benannt wurden.

  1. e) Kulturelles Umfeld eines kleinen Königreichs zwischen den großen Machtblöcken

Das Königtum in Israel war schon im Entstehen gegen den Willen und die Absichten Gottes (1. Sam 8, 4-9), war schon zu sehr Selbstgefälligkeit und Selbstdarstellung, um als Gefäß für einen so leichten und leicht zu übersehenden Inhalt zu dienen, wie die Offenbarung göttlicher Zuwendung und Wegweisung. Trotzdem ging Gott diesen Weg mit und segnete diejenigen, die ihn offenen Herzens beschritten.

Die Zeit der israelischen Könige hat zwei Idealbilder hinterlassen, an dem sich die jeweilige Wirklichkeit der folgenden Jahrhunderte messen lassen musste (und gegenüber denen sie immer nur als ungenügend erscheinen konnte): Einmal das Idealbild von Herrschaft durch einen König, der als „Hirte“ seines Volkes regiert in der (verklärenden) Rückerinnerung an David und zweitens das Idealbild von Staatlichkeit als anerkanntes und starkes Königreich in der (verklärenden) Rückerinnerung an die Zeit unter Salomo. Als Rahmenbedingung für den Empfang und die Weitergabe der Gottesoffenbarung war aber das Königtum in Israel über Jahrhunderte hinweg nur sehr bedingt geeignet.

  1. f) Kulturelles Umfeld eines Volkes in der Verbannung

Nach der Zerstörung Jerusalems durch das Heer des Nebukadnezar und nach der Wegführung großer Teile des Volkes Israel in die Babylonische Gefangenschaft begann im jüdischen Volk eine Phase neuer Aufmerksamkeit und Bereitschaft für die Botschaft Gottes. In der Verbannung, „an den Wassern zu Babel“ (Psalm 137), vollzog sich eine Neubesinnung hin zu den Erfahrungen und Verheißungen mit dem Gott ihrer Väter. Dort wurde nun das geistliche Erbe der Volksgeschichte und der darin enthaltenen Gotteserfahrungen gesammelt, zusammengestellt und neu schriftlich festgehalten. Immer wieder waren es die Phasen der Verunsicherung und Gefährdung der eigenen Existenz als Volks- und Glaubensgemeinschaft, die in ihnen das Bewusstsein ihrer Gottesgeschichte neu stärkte.

  1. g) Kulturelles Umfeld eines Vasallenstaates unter wechselnden Herrschern

Nach der Entlassung aus der Babylonischen Gefangenschaft konnten die Israeliten zwar (zum Teil) in ihre Heimat zurückkehren, aber sie waren und blieben abhängige Vasallen fremder Mächte mit fremden Kulturen und deren Religionen. Manchmal ließen diese den Israeliten gewisse Freiräume in der Ausübung ihrer eigenen Religion; manchmal übten sie harten Druck und Verfolgung aus.

  1. h) Kulturelles Umfeld eines vorübergehend eigenständigen Staates in einer Übergangszeit zwischen verschiedenen Hegemonien

Aus dem Aufbegehren gegen religiöse Unterdrückung entstand für kurze Zeit eine staatliche Eigenständigkeit unter dem Herrschergeschlecht der Hasmonäer. Die war aber nur anfangs auf eine Rückbesinnung auf die Werte und Inhalte der überlieferten Offenbarung bezogen und wurde bald von inneren und äußeren Machtkämpfen und kultureller Anpassung an die Mächte ihrer Zeit geprägt.

  1. i) Kulturelles Umfeld einer Provinz des römischen Weltreiches

Die Unterdrücker waren neu, die Unterdrückung war die gleiche: Politische Abhängigkeit, wirtschaftliche Ausbeutung, kulturelle Überfremdung und religiöse Nötigung, nun durch die neue Weltmacht Rom, nur oft noch härter und konsequenter ausgeführt. Skrupellose Vasallenkönige aus der Herodes-Dynastie und gewalttätige römische Statthalter verschlimmerten die Lage noch. Und trotzdem wurde dies zum politischen und religiösen Hintergrund einer endgültigen Gottesoffenbarung: Die Liebe Gottes wurde als Mensch im Menschsein gegenwärtig und erfahrbar. Das Leben des Juden Jesus aus Nazareth wurde erkennbar zur Erfüllung der Verheißungen und Heilszusagen Gottes in der Heiligen Schrift.

Freilich stand die Offenbarung Gottes einerseits und deren Annahme im Volk Israel andererseits immer wieder in einem dramatischen Spannungsverhältnis zwischen Nachfolge und Verweigerung. Die großartige kulturelle und religiöse Umgebung im Vorderen Orient übte immer eine starke Faszination auf den kleinen weltpolitisch meist unbedeutenden Stammesverband der Juden aus. Dem stand zu halten und der eigenen Berufung treu zu bleiben, war Herausforderung über Jahrhunderte. Die Erwählung Israels als Erstempfänger der Gottesoffenbarung im Wort der Weisung und Verheißung ist auch Verpflichtung, und die Vernachlässigung oder gar Verweigerung dieser Verpflichtung stellte immer wieder auch die Existenz Israels als Volk Gottes in Frage.

2 Selbstoffenbarung Gottes im Wort

Das Wort (die Sprache) ist eine eigene Wirklichkeit, die es nur im Bereich menschlicher Kommunikation gibt. (Kommunikation gibt es auch im Tierreich und wie neuere Forschungen zeigen, sogar unter Pflanzen, aber eben nicht in der differenzierten Form einer Sprache.) Der überwältigende Eindruck des Sternenhimmels in einer klaren Nacht kann eine tiefe Gotteserfahrung sein, ebenso wie eine unverhoffte Errettung aus höchster Not. Wie verschieden aber sind die Assoziationen und Deutungen, die solche Eindrücke hervorrufen können (und in den verschiedenen Religionen tatsächlich hervorgerufen haben)! Ein Satz hingegen wie: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde (der erste Satz der Bibel, 1.Mose 1,1) ist viel ein-deutiger: Es gab einen Anfang allen Seins, und in diesen Anfang hinein schuf ein Wesen, das hier „Gott“ (Elohim) genannt wird, all das, was wir am Himmel und auf der Erde wahrnehmen können.

Eine Gotteserkenntnis, die über die menschlichen und kulturbedingten Interpretationen der eigenen (individuellen und kollektiven, allgemeinen und persönlichen) Gotteserfahrungen hinausgeht, bedarf einer neuen Form von Gottesoffenbarung. Die Selbstoffenbarung Gottes im Wort ist diejenige Form von Gottesoffenbarung, die auch eine gemeinsame Gotteserkenntnis ermöglicht.

Als die Möglichkeiten sprachlicher Auffassung und Verständigung in der Menschheitsentwicklung weit genug fortentwickelt waren, um auch abstrakte, nicht bildhaft vorstellbare Inhalte benennen und beschreiben zu können, hat jene Macht, von der die ursprünglichen hilfreichen Gotteserfahrungen herkamen, inmitten der Vielzahl und Vielfalt religiöser Vorstellungen in einer ganz bestimmten kulturellen Umweltsituation in einer ganz bestimmten Weltgegend, die wir heute „Vorderer Orient“ nennen, erste sprachlich formulierte Mitteilungen gegeben, die eine Selbstoffenbarung Gottes in menschlich verstehbarer Form enthielten. Dabei bedeutet die Selbstoffenbarung Gottes in einem ganz konkreten ethnischen Umfeld (Israel) keine Zurücksetzung anderer Völker und Kulturen, denn sie ist offen für alle, die sich selbst ihr öffnen wollen. Dies geschah konkret zu bestimmten Zeiten, an bestimmten Orten, zuerst im glaubensoffenen Bezugsrahmen einer religiös entwurzelten Familiengemeinschaft (Abraham, siehe dazu auch das gleichnamige Thema im Bereich „Wege im Glauben“), später in der Geschichte eines kleinen unbedeutenden, noch nomadenhaft lebenden Volkes (Israel).

Diese Selbstoffenbarung Gottes in Wort war nun nicht mehr so unbestimmt und deutungsoffen, wie vorher die „wortlosen“ Erfahrungen. Allerdings gibt es auch in anderen Religionen grundlegende Texte, die als Selbstoffenbarung des Göttlichen verstanden werden (z. B. die Veden im Hinduismus, das Dao de jing im Daoismus Chinas, der Koran im Islam …). Hier in diesem Beitrag wird der Offenbarungsvorgang aus dem Blickwinkel biblischer Heilsgeschichte verstanden. Daraus lässt sich aber nicht der Anspruch ableiten, außerbiblische „heilige”Texte zu als irrelevant zu verurteilen. (siehe auch Beitrag 4 „Nur wir?“).

Die gemeinsame Gotteserfahrung kann nur eine allgemeine Religiosität mit sehr verschiedenen Deutungsmöglichkeiten und Gottesvorstellungen begründen. Erst die gemeinsame Gotteserkenntnis, die aus der Selbstoffenbarung Gottes im Wort kommt und durch die das Wesen Gottes selbst, sein Verhältnis zu uns Menschen, seine Absichten, Handlungsweisen, Wege und Ziele wenigstens in Andeutungen erkennbar werden, begründet eine Glaubensgemeinschaft in bewusster Beziehung zu einem personalen Gott. Die Erfahrungen mit der liebenden Gegenwart Gottes hat im Laufe der Jahrtausende sehr viele, sehr verschiedene Gottesvorstellungen hervorgebracht. Durch die Selbstoffenbarung Gottes im Wort können wir aber den kennenlernen und persönlich nahe kommen, von dem diese Erfahrungen stammen. Die Bibel Alten und Neuen Testaments enthält solche Selbstoffenbarungen Gottes im Wort.

Diese Selbstoffenbarung Gottes im Wort der Heiligen Schrift ist auch das entscheidende Korrektiv, das uns davor bewahren kann, unsere schlimmsten, erschreckendsten, traumatischten Erfahrungen, die wir ja auch machen und die uns entweder in einen Zustand von Schreckstarre versetzen oder in uns eine Welle von Abwehr, Gegenaggressivität und Hass auslösen, nun nachträglich religiös auszudeuten und aufzuwerten, sie zu dämonisieren und unseren „Himmel” mit dunklen, gewalttätigen Mächten zu bevölkern. Die Grundlage des biblischen Glaubens ist der dort offenbarte Heilsweg Gottes und die da wirkende Liebe Gottes mit den Menschen (die sie ja schon real erfahren hatten!), nicht die Vorstellung von einem dunklen, bösen Gegen-Gott (Teufel, Satan), der mit dem Schöpfer des Lebens um die „Seelen” der Menschen ringt (und dann wäre es bis zur letzten Stunde eines Menschen nicht ausgemacht, wer diesen „Götterkampf” gewinnt und die „Seele” des Menschen als Siegestrophäe davonträgt). Siehe den Themenbeitrag „Zeit und „Ewigkeit” im Bereich „Grundfragen des Lebens“ und dort die Abschnitte „Lebenszeit und Lebensende” und „ewiges Leben”.

Im Neuen Testament der Bibel wird die Selbstoffenbarung Gottes dann noch weitergeführt, indem dort das offenbarende Wort Gottes als Person in Erscheinung tritt. In Jesus von Nazareth wird die Selbstoffenbarung Gottes auf menschliche Weise anschaubar, erfahrbar und verstehbar; anschaubar im Handeln als Abbild der Liebe Gottes, erfahrbar als helfende und heilende Zuwendung, verstehbar in seiner Verkündigung.

3 Selbstoffenbarung Gottes im Sohn

„Im Anfang war das Wort“, so beginnt das Johannes-Evangelium, „ … und das Wort ward Fleisch (wurde Mensch) und wohnte unter uns, und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ Im „Wort“, im Mensch gewordenen „Sohn“ wohnte die Herrlichkeit Gottes (und das ist seine Liebe, voller Gnade und Wahrheit) sichtbar und erfahrbar als Mensch unter Menschen mitten unter uns: Selbst-Offenbarung Gottes in einem Menschenleben, hier auf dieser Erde.

Wir sagen: „Gott wurde Mensch“, und wir haben dann oft so etwas wie einen verkleideten „Übermenschen“ vor Augen, der sich tarnt und so tut, als wäre er ein Mensch wie wir. Er würde dann etwa so handeln, wie ein absoluter Monarch, der sich inkognito unters „gemeine Volk“ mischt, um zu sehen, wie es da zugeht. Nein, Jesus war kein als Mensch verkleideter Gott und kein als Gott verkleideter Mensch. „Gott ist Liebe“ (1.Joh 4,16), damit ist alles Wesentliche über den Gott der Bibel ausgesagt. Und in Jesus ist diese Liebe, die das Gott-Sein Gottes ausmacht, im Menschsein vollgültig gegenwärtig (siehe auch das Thema „Jesus – die Person“).

Jesus, der „Sohn“ ist Selbstvergegenwärtigung Gottes im Menschsein. Wenn wir uns den Lebensweg Jesu anschauen, einen Weg, der gesäumt war von körperlich Geheilten und seelisch Gesundeten, von Menschen, die im Glauben gefestigt, in der Liebe gestärkt, in der Erkenntnis Gottes vertieft, zur Hingabe befähigt und zum Dienst bereit wurden, dann erkennen wir: In ihm, seinem Leben und Reden, Handeln und Leiden ist Gott selbst gegenwärtig. „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung“ (Kol 1, 15).

Jesus ist die helfende, heilende, liebende, rettende Gottesgegenwart und Gottesoffenbarung unter den Menschen. „Gott ist die Liebe“, sagt die Bibel. Im Leben Jesu, in seinem Reden und Handeln, in seiner Liebe zum Vater und in seiner Liebe zu den „Nächsten“ denen er begegnete, ist diese göttliche Liebe zur vollkommenen Entfaltung gekommen: Verstehbar, erfahrbar, nachahmbar als „Ebenbild Gottes“ im Menschsein. Und diese erfahrbare Gottesgegenwart wurde auch zum „Ursprung der Menschlichkeit“ (siehe den folgenden Beitrag).

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Bodo Fiebig Selbstoffenbarung Gottes Version 2021-1

© 2021 Herausgegeben im Selbstverlag, alle Rechte sind beim Verfasser.

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