Bereich: Grundfragen des Glaubens

Thema: Gott

Beitrag 3: Der offenbarte Gott (Bodo Fiebig19. November 2022)

(Siehe dazu auch den Beitrag „Selbstoffenbarung Gottes“ zum Thema „Weltreligionen und biblischer Glaube“, dort sind einige Aspekte ausführlicher dargestellt). Hier geht es nur darum, einige Phasen der Selbstoffenbarung Gottes im Überblick anzusprechen. Gott „offenbart“ sich (macht sich bekannt) in den realen Verhältnissen und Vorgängen unserer Welt und Zeit.

1 Die Ur-Offenbarung (1. Mose 1,1 bis 1. Mose 11,26)

Es gibt am Anfang der Bibel (in den ersten 11 Kapiteln) eine Ur-Offenbarung Gottes, mit Ereignissen, die historisch nicht einzuordnen ist. Da ist von der Erschaffung von „Himmel und Erde“ die Rede, und von Vorgängen auf der Erde die, sinnvoll aufeinander folgend, einen einen „Weltplan“ des Schöpfers andeuten. Und da ist von Menschen die Rede, die vor grundlegende Herausforderungen und Entscheidungen gestellt sind (wie alle Menschen in allen Zeitepochen). Und es ist die Rede davon, wie das alles in die „Geschichte Gottes mit der Welt und mit den Menschen“ eingebettet ist. Den ersten Teil dieser „Ur-Offenbarung“ habe ich im Thema „Schöpfungsglaube und modernes Weltbild“ (im Themenbereich „Grundfragen des Glaubens“) ausführlicher dargestellt. Diese Inhalte können hier nicht wiederholt werden (bitte den Link hier aufrufen). Im Thema „Adam“ (im Bereich 6 „Wege im Glauben“ werden grundlegende Erfahrungen von Menschen mit der Gegenwart und Zuwendung Gottes in zum Teil erzählender Form beschrieben.

2 Die Israel-Offenbarung (AT ab1. Mose 12)

Der weitaus größere Teil der Selbstoffenbarung Gottes im ersten Teil der Bibel (dem sog. „Alten Testament“) verbindet sich mit der Geschichte des Volkes Israel. Dieser Teil ist historisch fassbar und auch (mehr oder weniger gut) der übrigen Weltgeschichte zuordenbar. Gott offenbart sich hier als Geschichts-gestaltende Macht, die mit gegenwärtigen Vorgängen schon zukünftige Entwicklungen gezielt vorbereitet und in Gang setzt. Auch diese Ereignisse können hier nicht eingehender behandelt werden. In den Themen „Abraham“ und „Mose“ werden sie aber exemplarisch anhand bestimmter Situationen im Leben dieser Personen (zum Teil in erzählender Form) dargestellt.

3 Die Jesus-Offenbarung (NT)

Gott selbst will sich den Menschen zu erkennen geben und zwar auf eine Weise, die den Verstehensweisen der Menschen entgegenkommt. Deshalb macht er sich auf (d. h. er öffnet sich) und gibt eine Wesensentsprechung seiner eigenen Identität, eine Selbstoffenbarung seiner Göttlichkeit sichtbar und erfahrbar auf die uns vertraute Makro-Ebene der für uns sichtbaren und erfahrbaren Welt. Und er tut das im Leben, Reden und Handeln eines ganz realen Menschen namens Jeschua (griechisch-römisch „Jesus“) aus dem Dorf Nazareth in Galiläa zur Zeit des Königs Herodes (eines Vasallen-Königs, des römischen Kaisers Augustus). Und er tut es, damit im Leben, Reden und Handeln dieses Menschen Jesus etwas vom Wesenskern Gottes (der, so sagt es die Bibel, die Liebe ist) sichtbar und erfahrbar Realität wird in unserer liebeleeren Welt (die Weiten des Universums und seine Massen und Energien, die können ja nicht lieben). Wenn wir die Evangelien in der Bibel lesen und wir unseren Glauben und Leben dafür öffnen, wird uns dort diese Realität begegnen.

Die Selbstoffenbarung Gottes im zweiten Teil der Bibel (dem sogenannten „Neuen Testament“) ist also zentral mit einer Person verbunden, an der wir wahrnehmen können (und sollen), wie Gott ist (Jesus sagt selbst: „Wer mich sieht, sieht den Vater“). Auch hier wird es nicht möglich sein, die entsprechenden Aussagen der Bibel im Detail darzustellen und zu interpretieren. Deshalb muss auch hier der Hinweis auf schon vorhandene Texte auf dieser Internet-Seite genügen: Im Themenbereich „Jesus“ sind das die Themen „Jesus – der Weg“, „Jesus – die Person“ und „Jesus – die Botschaft“. Hier und jetzt sind nur noch einige Anmerkungen möglich:

Wir haben gesehen: Gott ist keine Realität dieser Welt (siehe im Beitrag 2 „Die Gottes-Frage“), weil er der Schöpfer der Welt ist, ja, aber Jesus kam in diese Welt, damit er in dieser geschaffenen Welt das „Wesen“ Gottes als erlebbare Realität vergegenwärtigt, damit er das innerste „Ich bin“ Gottes, seinen „Geist“, seine „Substanz“ seine „Identität“ verkörpert (und dafür verwenden wir das Wort „Liebe“, auch wenn das, in allen Sprachen der Welt, völlig ungenügend ist, aber wir haben kein besseres).

Die Evangelien berichten davon, wie Menschen das erlebt haben: helfend, heilend, rettend, befreiend, erlösend. Und dies als „Vor-Bild“ und Vor-Verwirklichung der Menschheitsberufung, durch die alles Menschsein zum „Eben-Bild“ Gottes werden soll, so steht es schon auf der ersten Seite der Bibel (1.Mose 1,27): „Und Gott schuf den Menschen (warum, wozu, was soll das Ganze?) … Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde. Zum Bilde Gottes schuf er ihn und schuf sie als Mann und Frau“- also als Liebesgemeinschaft (aber eben nicht reduziert auf das erotisch-sexuelle Miteinnader). Am Miteinander und Füreinander menschlicher Gemeinschaft soll erkennbar werde, wie Gott ist. Und das wurde (vorbildhaft und uneingeschränkt) real erfahrbar im Leben, Reden und Handeln Jesu und dann auch (wenn auch menschlich begrenzt und unvollkommen) im Miteinander seiner Jünger und Jüngerinnen. Und: Dabei sollte es nicht bleiben, es sollte weitergehen und die ganze Menschheit erfassen.

Das heißt: Wir Menschen (alle Menschen, ob wir das wahrnehmen und annehmen oder nicht) sind dazu bestimmt, zur erkennbaren Vergegenwärtigung der außer-kosmischen Realität Gottes inmitten der innerkosmischen Realität unserer Welt beizutragen, und zwar durch die reale Verwirklichung von Liebe im Miteinander und Füreinander menschlicher Gemeinschaft (siehe dazu auch das Thema „AHaBaH – Das höchste ist lieben“).

Gewiss: Gott ist keine Realität dieses Universums. Aber die Liebe Gottes kann erfahrbare Realität werden in diesem Universum, und soll es noch mehr werden durch die Verwirklichung von Liebe (die das „Wesen“ Gottes ist) zwischen den Menschen (und das meint nicht nur die Liebesbeziehung zwischen Mann und Frau, sondern jedes Miteinander von Menschen, ja in der Zielperspektive der Schöpfung, die Liebesgemeinschaft des Menschseins als Ganzes).

Jesus wird einmal gefragt (Mt 22, 35-40): … welches ist das höchste Gebot im Gesetz? („Gesetz“ ist hier ein Ausdruck für den offenbarten Willen Gottes im „Alten Testament“. Gemeint ist also: Was ist das Wichtigste, was im ganzen „Wort Gottes“ steht?)

Jesus aber sprach zu ihm: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt“ (5.Mose 6,5) Dies ist das höchste und erste Gebot. Das andere aber ist dem gleich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“ (3.Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. („Gesetz und Propheten“ ist hier ein Ausdruck für die ganze „Schrift“ im AT). Dieses „Doppelgebot der Liebe“ soll zur Darstellung des Menschseins als „Ebenbild Gottes“ helfen: Vergegenwärtigung des „Göttlichen“ (der Liebe) im Miteinader und Füreinander der Menschen. In Leben, Reden und Handeln Jesu ist diese Vergegenwärtigung schon unverfälscht erkennbar.

4 Gegenwarts-Offenbarung

Die Antwort auf die Frage: „Ist Gott eine Realität in unserer Welt?“ entscheidet sich also an der persönlichen Nach-Frage: Wie weit trägst du selbst, wie weit tragen dein Leben und dein Zusammenleben mit anderen Menschen (deinen „Nächsten“) dazu bei, dass das Innerste „Wesen“ Gottes, die Liebe, in dieser deiner/unserer Welt erfahrbare Realität wird? Diese Liebe ist ja auch eine Realität; wer wollte an ihr zweifeln, wenn man sie je schon (in aller menschlichen Begrenztheit und Fragwürdigkeit) persönlich erlebt hat? Die Liebe ist, wie Gott selbst, eine Realität in dieser Welt, die man nicht messen und nicht beweisen kann.

Seit dem Anfang des Christentums vor 2000 Jahren (und schon vorher des Judentums) ist das die eigentliche Aufgabe allen Menschseins (siehe das Thema „sein und sollen“ im Bereich Grundfragen des Lebens): Die Liebe Gottes widerzuspiegeln und erkennbar zu machen im Leben und Zusammenleben von Menschen, denn nur so wird das Menschensein (in aller Unvollkommenheit aber doch) zum „Ebenbild“ Gottes. (Und wir wissen davon, wie sehr die Menschheit und auch die Jesus-Jüngerschaft in den vergangenen 20 Jahrhunderten an dieser Berufung gescheitert ist.) Trotzdem hat Gott in allen diesen Jahrhunderten im Judentum und in christlichen Gemeinschaften immer wieder Boten und Zeugen dieser Menschheitsberufung erweckt.

Auch dafür können schon vorhandene Texte auf dieser Internet-Seite eine Veranschaulichung bieten (siehe das Thema „Fragen der Zeit und Antworten des Glaubens“ im Bereich „Grundfragen des Glaubens“).

Gott, der Schöpfer, der alles geschaffen hat, ist selbstverständlich nicht Teil der von ihm selbst geschaffenen Realität, aber wir Menschen haben die Aufgabe und Berufung, dazu beizutragen, dass das „Wesen“ Gottes, die Liebe, in unserer Welt (bruchstückhaft und immer menschlich unvollkommen, aber dennoch) erfahrbare Realität wird (siehe die Themen „sein und sollen“, „Die Frage nach dem Sinn“ und „AHaWaH – das Höchste ist lieben“.)

Wir sollen die Realität Gottes (die Liebe) „zur Welt bringen“, wie eine Frau ein Kind zur Welt bringt: Als „Frucht“ der Liebe zwischen den Menschen (so jedenfalls sollte es sein), denn nur so kann die Realität Gottes unter den Menschen als „Wirklichkeit“ erfahrbar werden (wieder, wie schon oben, abgesehen von Erfahrungen, wo Gott sich selbst unmittelbar erfahrbar macht – aber das sind, auch in der Bibel, die seltenen Ausnahmen).

Gott offenbart sich selbst (siehe oben „die Ur-Offenbarung“, die „Israel-Offenbarung“, die „Jesus-Offenbarung“, die „Gegenwarts-Offenbarung“). Und trotzdem begegnet uns manchmal etwas Unfassbares, völlig Unverständliches, das mit keinem unserer Gottesbilder und auch nicht mit der biblischen Gottes-Offenbarung in irgendeiner wie Weise in Einklang zu bringen ist. Wir haben es immer mit einem Gott zu tun, der sich selbst den Menschen bekannt macht und der zugleich auch immer der Unbekannte bleibt (siehe den folgenden Beitrag „Der unbekannte Gott“).

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