Bereich: Grundfragen des Glaubens

Thema: Fragen der Zeit und Antworten des Glaubens

Beitrag 3: Antworten des Glaubens in der Gegenwart (1): Neubewertung der Werte (Bodo Fiebig)

Hat der Glaube (speziell der biblische Glaube) Antworten auf die Fragen unserer Zeit? Die Antworten müssen auf zwei verschiedenen Ebenen gefunden werden: Erstens auf der Ebene aktuellen politischen (auch kirchlichen) Handelns, das kurzfristig auf jeweils aktuelle Herausforderungen und Krisensituationen reagiert. Zweitens auf der Ebene geistiger Auseinandersetzung, durch die langfristig ein belastbares Gegengewicht zu den krisentreibenden Kräften unserer Zeit erarbeitet wird. Beides ist gleich wichtig und gleich notwendig. Hier kann nur auf diese zweite Ebene eingegangen werden, mit drei Schwerpunkten: „Neubewertung der Werte“ (und in den folgenden Beiträgen „Vernetzung“ und „Erleuchtung“).

Neubewertung der Werte

Zunächst: Es geht, wenn wir nach Antworten auf die Fragen der Zeit suchen (siehe Beitrag 1 „Fragen der Zeit“), immer um Wertungen. Was ist mir etwas wert? Und wie sieht die Rangfolge meiner Wertungen aus? Wenn Werte wie „Gewinn, Ruhm und Macht“ an oberster Stelle stehen, werden Menschen anders leben und anders entscheiden, als wenn Werte wie „Freundschaft, Liebe und Glück“ an erster Stelle stehen. Außerdem: Folge ich bei meinen persönlichen Einstellungen den von der „öffentlichen Meinung“ (z. B. von der Werbung, von den Medien, im Internet …) vorgegebenen Maßstäben oder habe ich eigene Wertordnungen? Worauf begründen die sich, ich lebe ja auch geistig nicht im luftleeren Raum, sondern bin Teil des Stromes der geistigen und spirituellen Entwicklung der Menschheit durch die Jahrtausende. Und was folgt für mich daraus für mein alltägliches praktischer Leben? Welche Werte sind es wert, dass ich sie wert-achte? Gibt es Werte, die ich in meinem alltäglichen Umgang auf-werten sollte oder ab-werten? Hier werden einige solche Alternativen genannt:

1 Konsum und Beziehung

Viele sind dabei, sich neu zu orientieren: Qualität vor Quantität, immer besser, statt immer mehr, (ein gutes, wenn auch teures Kleidungsstück z. B. ist mehr wert als zwanzig Billig-T-Shirts, die nach einmaligem Gebrauch weggeworfen werden) so heißt eines der Prinzipien, die man dabei anwendet. Ein achtsamer und schonender Umgang mit den Ressourcen der Natur gehört dazu. Allerdings (so richtig das ist)  ist das ein Luxus-Prinzip für Wohlhabende; wer kaum das Nötigste zum Leben hat, kann sich Qualität sowieso nicht leisten (der muss froh sein, wenigstens ein billiges T-Shirt zu besitzen). Vielleicht müssten wir unseren Wertmaßstab an dieser Stelle präzisieren: Qualität der Beziehungen vor Quantität des Konsums.

Erstrebenswert wäre demnach (sofern das Lebensnotwendige gewährleistet ist) nicht eine zunehmende Quantität an materiellen Werten und konsumierbaren Erlebnissen  sondern eine zunehmende Qualität an persönlichen Beziehungen und Gemeinschaftserfahrung. Dabei gibt es einen ganz einfachen Maßstab, um das eine vom andern zu unterscheiden: Alles, was man für Geld kaufen kann (z. B. Mode, Schmuck,  Autos, Smartphones, Computer, Computerspiele, Häuser, Kosmetik, Tatoos, Essen und Trinken in teuren Restaurants, touristische Reisen, sportliche, soziale, künstlerische „Events“ aller Art usw., usw. ) das alles gehört zu den Konsum-Werten. Und alles, was man für kein Geld der Welt kaufen könnte (was man aber unbedingt zum Leben braucht), wie persönliche Begegnungen, gegenseitiges Vertrauen, belastbare Treue, fraglose Zuneigung, beglückende Nähe, echte Anerkennung, begründete Hoffnung, frohe Erwartung, sichere Geborgenheit, erfahrbares Angenommen-sein, unbestrittene Zugehörigkeit, tragfähige Gemeinschaft usw., usw., das gehört zu den Beziehungs-Werten.

Beziehungs-Werte vor Konsum-Werten, das wäre ein erstes Lebensprinzip auf biblischer Grundlage, das allerdings in herausfordernden Situationen jeweils neu bedacht, konkretisiert und angewendet werden müsste (was ja nicht heißt, dass man keine Konsum-Werte mehr genießen dürfte, aber ihre Wertigkeit wäre eine andere).

2 Leben und Lieben

Lauthals verkünden gegenwärtig angesehene und potente Institutionen das Ziel, mit den Mitteln der Medizin, der Genmanipulation und der Biotechnik den Tod und das Sterben endgültig zu überwinden. Google z. B. gründete 2013 extra das mit phantastischen finanziellen Ressourcen ausgestattete Tochterunternehmen „Calico“ mit dem Auftrag „den Tod zu beseitigen“. Schöne neue Welt? Nein. In Wirklichkeit ist dieses Vorhaben ein perverser Unsinn. Welche Folgen hätte es denn, wenn Google (und andere, die ähnliches vorhaben) Erfolg hätten? Entweder die dann vorhandene „Unsterblichkeits-Medizin“ stünde nur für einige wenige Millionäre oder Milliardäre zur Verfügung (und alle anderen müssten eben weiterhin sterben wie bisher) und dann wäre sie eine schlimmere Ungerechtigkeit als alles, was die Menschheit an Ungerechtigkeiten bisher entwickelt hat – oder die „Unsterblichkeit“ (bzw. Leben für vielleicht 400, 600 … 800 Jahre) wäre für alle da und dann wären die Folgen noch schlimmer: Wenn kein Mensch mehr stirbt, würde sich die Weltbevölkerung explosionsartig vermehren und sie würde in kürzester Zeit an die Grenze stoßen, wo nicht mehr genug Nahrung, Wasser, Wohnraum, Kleidung, Verkehrsmittel usw. für alle zu beschaffen wäre, weil einfach die Ressourcen der Erde dazu nicht ausreichen. Die Menschen würden nicht mehr an Krankheiten und Altersschwäche sterben, sondern (wie schon vor Jahrhunderten) an Hunger und Durst. Die einzige Alternative wäre dann: Es dürften, um die Weltbevölkerung stabil zu halten, keine Kinder mehr geboren werden. Das heißt, nach den ersten hundert Jahren der „unsterblichen Menschheit“ gäbe es nur noch Menschen, die mindestens hundert Jahre alt wären. Die Erde wäre ein riesiges Altersheim. Selbst wenn es gelänge, die „unsterblichen“ Alten körperlich jung aussehen zu lassen und sie fit zu halten für die Arbeit, für Freizeit, Sport und Sex, sie wären doch von ihren Erfahrungen und Einstellungen her uralt. Niemand würde mehr wissen, was ein „spielendes Kind“ ist oder ein „verliebter Teenager“. Die Alten wären unter sich. Und: Die Verlängerung des Lebens wäre (wenn sich sonst nichts Entscheidendes ändert) nicht viel mehr als eine Verlängerung von Egoismus, Streit, Hass und Gewalt und dann würden die Menschen eben nicht mehr an Krebs sterben, sondern an Atomstrahlung, an Bio-Waffen und Giftgas. Aber, wer würde gern in so einer Welt leben wollen, vielleicht sogar viele Jahrhunderte lang? (Eine Anmerkung: Selbstverständlich ist es richtig, auch weiterhin mit großem Einsatz und Engagement gegen den Krebs, gegen Infektionskrankheiten, gegen Alzheimer usw. anzukämpfen, aber die neuen technischen Heilsbringer wollen ja nicht die Krankheiten besiegen, sondern den Tod.)

Nein, es geht nicht darum „den Tod zu besiegen“. Der Tod ist nicht der schlimmste Feind des Lebens,  sondern die Feindschaft, die Habsucht, die Machtgier, der Hass, der Betrug, die Gewalt und der Krieg. Dafür würde sich jeder Einsatz lohnen! Erstrebenswert ist nicht eine zukünftige Verlängerung des Lebens, sondern eine gegenwärtige Vertiefung des Liebens.

3 Wissen und Wahrheit

Wir leben in einer Zeit unfassbarer Wissensvermehrung. Allein das online-Lexikon „Wikipedia“ verzeichnet in seiner deutschen Ausgabe so viele Einträge, dass es in gedruckter Form in gebundenen Büchern voll mit Texten und Bildern gar nicht mehr machbar wäre. Und Wikipedia ist ja nur ein winzig kleiner Teil der Inhalte des Internet. Kein Mensch wäre auch nur ansatzweise in der Lage, alle Internet-Inhalte auch nur für einen einzigen Sachbereich im Blick zu haben. Das ist nicht weiter tragisch, es genügt ja, wenn wir wissen, wo und wie wir bestimmte Informationen finden, wenn wir sie in einer realen Situation wirklich brauchen.

Das Problem liegt woanders: Nicht die Menge der Informationen ist das Problem, sondern ihr Wahrheitsgehalt. Wir wissen, dass ein beträchtlicher Teil der Informationen im Internet aus bewussten Lügen besteht (oder aus bewusst verfälschenden Teilwahrheiten), aber wir wissen im konkreten Fall oft nicht, welche der vorliegenden Informationen die (nach dem jeweiligen Stand der Erkenntnis) wahren und welche die verfälschten sind. Manchmal hilft uns der „gesunde Menschenverstand“ Wahrheit und Lüge zu unterscheiden (wenn uns manche Inhalte allzu offensichtlich unsinnig und abseitig erscheinen), aber ein sicherer „Wahrheits-Anzeiger“ ist unser „gesunder Menschenverstand“ leider auch nicht.

Solche Verfälschungen bewirken auf Dauer, dass sich unser Verständnis der Welt nach und nach immer weiter von den Realitäten dieser Welt entfernt. Das wäre nicht weiter tragisch, wenn es sich dabei um vereinzelte Nebensächlichkeiten handeln würde; im wörtlichen Sinne „tragisch“, ja lebensfeindlich und menschheitsgefährdend kann das aber dann werden, wenn es sich um ganze Systeme von gesteuerten Falschinformationen und Fehldeutungen handelt, die unser Denken und Verhalten im Sinne einer umfassenden Strategie oder Ideologie beeinflussen sollen. So ist es in den vergangenen Jahrzehnten und Jahrhunderten in vielen Ländern der Erde in gewaltigem Umfang geschehen und mit furchtbaren Folgen. Keine Diktatur der Welt kann ohne die Macht der Lüge existieren. Das gilt für alle Formen von Diktatur, gleich ob sie ideologisch, religiös oder einfach machtpolitisch begründet sind. Und das gilt auch für Meinungsdiktaturen, die gegenwärtig auch in den demokratisch verfassten Ländern immer weiter um sich greifen.

Dabei geht es den Lügenverbreitern nicht einfach nur um falsche Informationen. Es geht darum, die dem Menschen grundsätzlich gegebene Fähigkeit, Wahrheit und Lüge zu unterscheiden und sich für die Wahrheit und gegen die Lüge zu entscheiden zu übertölpeln und so die bewusst eingesetzte Lüge als selbstverständliche Wahrheit erscheinen zu lassen. Und es geht dabei (wie immer) um Reichtum und Macht und um die Lust, andere so zu manipulieren, dass man sie für die eigenen Zwecke einsetzen und missbrauchen kann.

Wichtig ist nicht eine endlose Vermehrung des Wissens, sondern eine neue Wertschätzung der Wahrheit (siehe dazu auch das Thema „Wirklichkeit und Wahrheit“ im Bereich 3, „Grundlagen der Gesellschaft“)

4 Das Machbare und das Gute

Unser Ziel ist nicht, alles Machbare zu verwirklichen, sondern das Gute anzustreben.“ So oder ähnlich hört man es bei feierlichen Anlässen gelegentlich aus dem Munde von Verantwortlichen. Wobei man manchmal nicht recht weiß, was sich jeweils hinter den Wörtern „machbar“ und „gut“ verbirgt. Es ist ja nicht immer ganz einfach, „das Gute“ zu erkennen und vom „Unguten“ zu unterscheiden. Was sich für den Einen als vorteilhaft (also „gut“) auswirkt, kann sich für einen anderen als nachteilig (also „ungut“) erweisen. Aber wenigstens eines scheint klar: Wenn die Menschen versuchen würden, alles (derzeit und erst recht zukünftig) politisch, wirtschaftlich, technisch … Machbare tatsächlich zu verwirklichen, dann wäre die Erde bald ein toter Planet. So weit sind sich die Meisten einig.

Was wir brauchen, wäre also eine „selbstbeschränkende Ethik“, die von der großen Mehrheit der Menschen (besonders der Mächtigen und Verantwortlichen) aus Einsicht und Überzeugung angewendet wird. Selbst-Beschränkung oder Selbst-Zerstörung heißt eine entscheidende Alternative der Gegenwart und Zukunft. Nicht das technisch Machbare, das politisch Durchsetzbare und das wirtschaftlich Erfolgreiche allein sollte die Motivation unseres Handelns sein, sondern vor allem das, was nach bestem Wissen dem Leben und dem Frieden (unter den Menschen und im Gesamtgefüge des Lebens auf der Erde) dient.

Verantwortungsbewusste Selbstbeschränkung in Hinsicht auf das politisch, wirtschaftlich, technisch … Machbare und gleichzeitig Engagement und Einsatz für das Leben und Zusammenleben der Einzelnen, Gruppen, Gesellschaften, Kulturen und Religionen, das wäre eine „Neubewertung der Werte“, die heute dringlicher ist als je.

5 Rationalität und Spiritualität

Kluge, gesellschaftlich interessierte und sachlich informierte Menschen sind oft der Meinung, dass ein kluger, gesellschaftlich interessierter und sachlich informierter Umgang mit den Fragen und Problemen unserer Zeit der einzige erfolgversprechende Weg sei zur Beantwortung der gegenwärtigen Fragen und zur  Bewältigung der gegenwärtigen und absehbaren Probleme. Und sie stellen oft nach einigen Versuchen resigniert fest, dass ihnen die Irrationalität von Meinungen, Vorhaben und Handlungsweisen vieler Menschen einen Strich durch die Rechnung macht. Ihre Rationalität scheitert an der unausrottbaren Irrationalität der meisten Menschen. Und manchmal halten sie dann jede Form von Irrationalität und Spiritualität für Feinde jeden rationalen Einsatzes für ein gutes und friedliches Miteinander der Menschen (z. B. Richard Dawkins: „Der Gotteswahn“). Aber das ist ein Irrtum. Beim genaueren Hinsehen erkennt man: Die Spiritualität ist keineswegs die Verwandte der Irrationalität:  Im Gegenteil: Rationalität und Spiritualität gehören zusammen und können nur als Verbündete die Auseinandersetzung mit der Irrationalität (und manchmal einfach nur mit der Dummheit und Bosheit) von Menschen erfolgreich bestreiten. Man könnte nun auf dieser Internet-Seite “lebenundfrieden.de“ alle Themen und Beiträge der Themenbereiche „Grundfragen des Lebens“, „Grundfragen des Glaubens“ und „Grundlagen der Gesellschaft“ (mit mehr als zwanzig Themen und mehreren Dutzend Themen-Beiträgen) hernehmen um zu demonstrieren, wie Rationalität und Spiritualität gemeinsam für eine menschenwürdige und zukunftsfähige Welt eintreten müssen, wenn sie (freilich immer nur teilweise und zeitweise) erfolgreich sein wollen.  Hier kann das nur an einem winzigen Teil-Ausschnitt aufgezeigt werden.

Im ersten Beitrag zum Thema „Fragen der Zeit und Antworten des Glaubens“ wurden einige „Fragen der Zeit“ angesprochen. Eine dieser Fragen greife ich hier wieder auf:

Ist diese Welt etwas zufällig Gewordenes oder ist sie etwas bewusst Geschaffenes? Diese Frage ist wissenschaftlich nicht zu beantworten, aber an der Antwort auf diese Frage entscheidet sich alles. Wenn die Welt, in der wir leben, etwas zufällig Gewordenes ist, dann existiert alles in ihr ohne Sinn und Ziel, dann ist auch unser eigenes Leben zufällig und sinnlos (denn woher sollten in einer zufällig gewordenen Welt plötzlich ein Sinn und ein Ziel kommen?). Dann lebt ein Lebewesen, ob Einzeller, Pflanze, Tier oder Mensch, solange es sich im „Kampf ums Dasein“ zu behaupten vermag und stirbt, sobald es einem Stärkeren begegnet (oder wenn die nötigen Lebensbedingungen nicht in ausreichender Weise gegeben sind); und beides, sein Leben und sein Sterben wäre völlig ohne Bedeutung. Dann gäbe es keine Entscheidung und keine Handlungsweise, die man „richtig“ oder „falsch“ nennen könnte (denn woher sollte in einer sinnlosen Welt ein Maßstab kommen dafür, was „richtig“ oder „falsch“ wäre?), und es gäbe erst recht kein Verhalten, das man „gut“ oder „böse“ nennen könnte (denn woher sollten in einer sinnlosen Welt ethische Wertvorstellungen kommen)? Zwischenmenschliche Abmachungen (Regeln und Gesetze) über das „Richtige“ oder „Falsche“, das Erlaubte oder Verbote reichen dazu nicht aus, denn die Geschichte lehrt uns (und uns Deutsche ganz besonders deutlich), dass zu manchen Zeiten und in manchen Gesellschaften die verabscheuungswürdigsten Verbrechen (gegen „die anderen“) nicht nur erlaubt, sondern von den „Obrigkeiten“ und ihren Gesetzen sogar gefordert und befohlen werden. In einer sinnlosen Welt kann auch der „gute Wille“ von Menschen und können auch demokratische Mehrheitsentscheidungen keine allgemeingültige menschenwürdige Ethik hervorbringen.

Ein Kosmos (und in ihm eine Erde und eine Menschheit) ohne Spiritualität (also ohne Beziehung zu einer Maß-gebenden Realität außerhalb der eigenen Existenz) wäre zwangsläufig auch ein Kosmos, eine Erde und eine Menschheit ohne Ethik. Und der „Glaube“ an eine zufällig gewordene Welt (auch der „Un-Glaube“ ist ja ein Glaube, kein Ergebnis exakter Wissenschaft) an ein aus sich selbst entstandenes, sinn- und zielloses Universum, ist eine der Ursachen für die „Problemanzeigen“ und „Zukunftsängste“ unserer Zeit.

Wir brauchen eine neue Einstellung zum Leben und Zusammenleben der Menschen. Solange der „Kampf ums Dasein“ und der „Kampf um die besten Plätze“, den nur die „Fittesten“ und Anpassungsfähigsten bestehen und gewinnen können, das Geschehen bestimmt (wie viele meinen, die Vorgänge aus der Evolution unbesehen auf das Miteinander der Menschen, der Gruppen und Völker übertragen), solange haben wir (als Menschheitsganzes) kaum eine Chance, das Zeitalter der Globalisierung zu überleben (siehe dazu die Themen „sein und sollen“ und „Friede auf Erden?“). Wir müssen eine „Menschheitsethik“ entwickeln, die nicht auf evolutionäre Vorgänge zurückgreift, sondern die auf die Berufung des Menschseins als „Ebenbild Gottes“ vorgreift (siehe die Themen „Die Frage nach den Sinn“ und „AHaBaH – das Höchste ist Lieben“).

Das Leben und das Zusammenleben der Menschen (und allen Lebens in der Biosphäre der Erde) ist in einer „globalen Welt“ (mit globalen Mitteln der Beeinflussung und Zerstörung) allein mit den Möglichkeiten der Biologie und der Evolution, der Politik und der Wirtschaft, der Wissenschaft und der Technik nicht zu erhalten und vor der Selbstzerstörung zu bewahren. Der biblische Glaube mit der Rückbindung allen Seins und des menschlichen Wollens und Handelns an das Wollen und Handeln dessen, der das Universum gewollt und geschaffen hat, gibt uns die Möglichkeit, unser Wollen und Handeln auf eine vorbereitete ethische Grundlage zu stellen.

Rationalität und Spiritualität oder Irrationalität und eine Ethik ohne Wertefundament? Das ist eine der wichtigsten Fragen und Alternativen unserer Zeit.

Für konkrete Antworten auf solche Fragen brauchen wir auch neue Formen von Zugehörigkeit, Beziehungen und Vernetzung (siehe den folgenden Beitrag „Antworten des Glaubens (2) Vernetzung“).

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