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Arbeit und Wirtschaft


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  • Gerechter Lohn?
    Ist es „gerecht“ oder auch nur gesellschaftlich akzeptabel, wenn ein Manager eines Großunternehmens ein Jahresgehalt von mehreren Millionen Euro bekommt (und evtl. dazu noch Bonuszahlungen, die dieses Gehalt noch übersteigen), während gleichzeitig manche Mitarbeiter des gleichen Unternehmens im „Niedriglohnsektor“ oder als „Leiharbeiter“ so wenig verdienen, dass sie zusätzlich noch öffentliche Unterstützung brauchen, um das Minimum zum Leben zu haben? Sicher muss ein leitender Angestellter oder gar ein Topmanager mehr Verantwortung tragen und eine umfassendere Ausbildung und Erfahrung mitbringen, aber kann allein deshalb seine Leistung wirklich mehrere hundert Mal so viel wert sein, wie die eines einfachen Arbeiters?
    Die Auseinandersetzung über solche Ungleichgewichte und darüber, welche Maßnahmen dagegen notwendig wären, ist im vollen Gange. Ich will hier in diese Diskussion einen Vorschlag einbringen, ohne den Anspruch zu erheben, nun „die“ Lösung des Problems zu wissen.
    Man könnte die Lohnfindung in einem Unternehmen (von der Reinigungskraft bis zum/zur Topmanager/in) ganz beruhigt den Unternehmen und Tarifparteien überlassen, wenn dabei eine gesetzlich zwingend vorgeschriebene Regelung gelten würde, die etwa aus folgendem Satz bestehen könnte:
    Die höchsten Gehälter (einschließlich aller Bonuszahlungen und aller sonstigen Einkommensbestandteile) dürfen innerhalb eines Unternehmens (auf die gleiche Arbeitszeit bezogen) das Achtfache (in Unternehmen mit mehr als 10 000 Mitarbeitern das Zehnfache) der niedrigsten Löhne/Gehälter im gleichen Unternehmen nicht übersteigen. (Das ist hier als Vorschlag gemeint; über den Steigerungsfaktor könnte man sicher streiten.)
    Das Achtfache oder Zehnfache des Lohnes, den ein einfacher Arbeiter verdient, ergibt (vor allem dann, wenn nicht die Löhne mancher Mitarbeiter-Gruppen künstlich niedrig gehalten wer­den) ein Gehalt, das auch die Leistung des Vorstandsvorsitzenden eines Großunternehmens gut abbilden und belohnen würde. So eine Regelung hätte zur Folge, dass die Gehälter der Spitzenverdiener eines Unternehmens nur dann angehoben werden könnten, wenn gleichzeitig auch die Gehälter der unteren Lohngruppen entsprechend nach oben anpasst würden. Alle Versuche, diese Regelung durch „kreative“ Unternehmensgestaltung zu umgehen, z. B. indem man den Niedriglohnsektor in nominell eigenständige Unternehmen ausgliedert usw., müssten dann als kriminelle Straftatbestände gelten und entsprechend geahndet werden.
    Dabei muss man noch betonen, dass es unsinnig ist (wie es heute manchmal geschieht), die Stellung und das Einkommen von Topmanagern zu verteufeln. Die meisten von ihnen setzen mit großem zeitlichem und persönlichem Einsatz ihr Wissen und ihre Erfahrungen für die Führung ihres Unternehmens ein und versuchen es positiv weiterzuentwickeln. Ärgerlich ist nur das offensichtliche Missverhältnis der Entlohnung.
    Das Argument, dass die Millionengehälter notwendig seien, um Spitzenkräfte zu finden und für das Unternehmen zu gewinnen, halte ich für nicht stichhaltig. Im Gegenteil: Die Meinung, nur jemand, der sich schon einmal auf einen Spitzenplatz in irgendeinem anderen Unternehmen bewährt habe, sei geeignet, das eigene Unternehmen zu führen, schafft eine geschlossene Kaste von Spitzenmanagern, die sich bestenfalls gegenseitig abwechseln, blockiert aber gleichzeitig für viele Jahre die Chancen von Nachwuchskräften, die die gleichen Aufgaben besser und kreativer (und für deutlich geringeres Gehalt) bewältigen könnten, als die „Alten Hasen“.

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